Selfies als kommunikative Praxis: Selbstrepräsentation, Geschlecht und Cringe
Gastbeitrag von Iris Bencsik und Theresa Heyd
Theresa Heyd hat den Lehrstuhl für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Heidelberg inne. Ihre zentralen Arbeitsfelder sind Englisch als globale Ressource, digitaler Sprachgebrauch, sowie Sprache und Gender. Iris Bencsik befindet sich am Ende ihres Masterstudiums für Englische Sprachwissenschaft und arbeitet derzeit als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl Heyd sowie im Cringe-Forschungsprojekt.
1. Von Albrecht Dürer zum Selfiestick
Was Paris Hilton und Kim Kardashian zu einer höchst gegenderten Praxis der performativen Weiblichkeit salonfähig gemacht haben, wird von vielen Menschen heutzutage als eine eitle oder gar überflüssige Form der digitalen Selbstdarstellung abgetan, wenngleich nach wie vor fleißig partizipiert wird. Womöglich kennt jede*r das Gefühl, hoffentlich unbeobachtet eine Handvoll Fotos von sich zu knipsen, nur um hinterher mindestens die meisten, wenn nicht alle, aus irgendeinem diffusen Schamgefühl heraus wieder zu löschen. Man oszilliert irgendwo zwischen dem Bedürfnis, in seiner Attraktivität gesehen zu werden und die digitale Kommunikation auf ein persönliches Level zu bringen (denn was ist persönlicher, als das eigene Gesicht?), und dem Druck, der mit den gesellschaftlichen Erwartungen und den ungeschriebenen Regeln der Selfiekunst einhergeht. Kurz gesagt: Selfies machen ist durchzogen von ambivalenten Gefühlen. Dabei hat das nicht unbedingt so angefangen.
Selfies machen ist eine kreative und soziale Praxis und wird als solche nicht nur von äußeren Faktoren beeinflusst, sondern unterliegt auch dem Wandel der Zeit. Praktiken der Selbstdarstellung gibt es in der Kunstgeschichte schon mindestens seit der Renaissance: wir finden sie bei Dürer, bei Frida Kahlo oder auch bei Andy Warhol. Dabei war diese Darstellungsform immer mit dem Einsatz und der Weiterentwicklung von Technik verbunden, etwa mit der Verfügbarkeit von Spiegeln, und später insbesondere mit der Entwicklung und zunehmenden Verfügbarkeit von Kameras. Für die Praxis des digitalen Selfies, wie wir es heute kennen, sind zwei Erfindungen des 21. Jahrhunderts besonders zentral: das Smartphone und die sozialen Medien. Während die ständige Verfügbarkeit von Smartphones und ihrer digitalen Frontkameratechnik das Aufnehmen, Bearbeiten und Speichern von Selfies radikal vereinfacht hat, sind beinahe zeitgleich durch die Plattformlogik sozialer Medien das Teilen und Posten von Selfies entstanden. Die Medienwissenschaft bezeichnet solche Faktoren, die auf eine digitale Praxis wie Selfies begünstigend Einfluss nehmen, auch als Affordanzen.

Die historischen Beispiele deuten es an: die technische und soziale Entwicklung von Selfies öffnet den Blick für eine ganze Kulturgeschichte der Selbstrepräsentation. In diesem Beitrag wollen wir jedoch in ein Detail hineinzoomen, nämlich das interaktive Potenzial von Selfies: Wie werden Selfies als Mittel der Kommunikation zwischen Selfiemacher*in und Betrachter*in eingesetzt, und wie haben sich die ungeschriebenen Regeln dazu im Laufe des letzten Jahrzehnts verändert? Wir verstehen Selfies also nicht nur als visuelle und alltagsästhetische, sondern auch als kommunikative Praxis, die durch interaktionale Muster und ‚Stilregeln‘ geprägt ist – und als eine, die zutiefst durch soziale Kategorien und Zuschreibungen gekennzeichnet ist. Selfies sind gegendert und erlauben uns dadurch einen aufschlussreichen Blick in die Geschlechterverhältnisse der digitalen Selbstdarstellung.
2. Selfies als kommunikative Praxis
Wer Social Media regelmäßig nutzt und Selfies regelmäßig begegnet – oder sie womöglich sogar selbst postet -, wird vielleicht festgestellt haben, dass Selfies vor 10 Jahren anders aussahen, als sie es heute tun: was damals in war und viele Likes generiert hat, gilt heutzutage womöglich als cringe. Vergleicht man etwa die beiden Selfies von zwei Influencerinnen in Abbildung 1, so fallen Unterschiede im visuellen und kommunikativen Stil auf. Das Selfie von 2014 zeigt eine freundlich lächelnde Zoe Zugg, die ihren Follower*innen einen guten Morgen wünscht. Acht Jahre später postet Emma Chamberlain ein fast schon avantgardistisch anmutendes Selbstportrait mit der (ironisch lesbaren) Caption „SELFIE“. Wie ist das zu erklären? Welche Forschungsansätze zu Selfies als kommunikativer Handlung gibt es überhaupt?


In der Forschung zu Selfies hat die digitale Sprachwissenschaft den Ansatz entwickelt, das Machen und Posten eines Selfies als ganzheitliche und gemeinschaftliche Praxis bestehend aus mehreren Schritten zu verstehen. Nicht nur das Foto selbst ist also wichtig, sondern auch seine sprachliche und multimodale Rahmung: Filter und Hashtags, Captions und Kommentare, und nicht zuletzt die Reaktionen und Versprachlichungen durch andere Nutzer*innen. Alexandra Georgakopoulous Studie „From Narrating the Self to Posting the Self(ies)“ von 2016 warf einen Blick auf das Post- und Kommentier-Verhalten von befreundeten Teenagern. Georgakopoulou beobachtet, dass das Teilen von sowie das Reagieren auf Selfies unter Freunden und Bekannten bestimmten Regeln folgt, die gemeinsam von der Online-Community über einen Zeitraum hinweg etabliert werden.

Das Posten eines Selfies beschreibt Georgakopoulou als „high-stakes performance act“. Poster*innen gehen demnach ein gewisses soziales Risiko ein, wenn sie sich online mit einem Selfie präsentieren, und es entwickeln sich Traditionen von plattformspezifischen Validierungsmethoden (Likes, Kommentare, etc.), die die Poster*innen versichern sollen, dass ihr Vorhaben geglückt ist. Doch was genau beinhaltet dieses Vorhaben? Was wird riskiert? Dazu gibt eine weitere Studie von Ruth Page aus dem Jahr 2019 Anhaltspunkte. In „Self-denigration and the mixed messages of ‚ugly‘ selfies in Instagram“ untersucht Page Posts, die mit dem Hashtag #uglyselfies versehen wurden.

Hashtags waren ein allgegenwärtiges Bestandteil der metakommunikativen Praxis in den sozialen Medien der 2010er Jahre. Im Fall von #uglyselfie ermöglichte der Hashtag laut Page eine sprachliche Strategie der Gesichtswahrung – im doppelten Sinn. Interaktionslinguistisch steht das Posten von Selfies unter Eitelkeitsverdacht, da User*innen womöglich gegen Bescheidenheitsanforderungen des digitalen Diskurses verstoßen. Durch die spielerische Selbsterniedrigung, sich selbst (oder zumindest das eigene digitale Bild) als #ugly zu markieren, können Poster*innen diese pragmatische Klippe nicht nur umschiffen. Sie können sich zugleich als humorvoll und locker präsentieren, was wiederum die von Georgakopoulou beschriebenen Bestärkungspraktiken fördert, zum Beispiel durch humorvolles Einsteigen in die spielerische Selbsterniedrigung, oder durch bestärkende Gegenrede: you look amazing.
Diese sprachwissenschaftlichen Ansätze erklären einige der digitalen Diskurse über Selfies – warum sie so populär sind, und gleichzeitig oft als eitel oder sonst wie kritikwürdig markiert werden. Doch wer macht und postet eigentlich Selfies, und wie hat sich ihre multimodale Erscheinungsform im letzten Jahrzehnt entwickelt? In ihrer visuellen Analyse hebt Ruth Page nicht nur hervor, dass Selfies relativ genormt vorkommen: es ist meistens eine einzelne Person zu sehen, in einer Nahaufnahme mit Blickkontakt in die Kamera, vor einem dekontextualisiertem Hintergrund. Erwähnenswert ist insbesondere auch, dass es sich bei den Posterinnen im Fall der #uglyselfies meistens um weibliche Personen handelt. Dieser Fund reiht sich ein mit Aslaug Veum und Linda Undrums 2017 erschienener Studie zu „Selfies as a Global Discourse“ zum Hashtag #selfie. Auch dieser Hashtag wird dominiert von Nahaufnahmen von weiblich gelesenen Personen (78%), mit Blickkontakt in die Kamera, und dekontextualisiertem Hintergrund. Wie der Name #seflie erwarten lässt, steht das Selbst auch hier ganz im Fokus. Die aufgeführten Studien stammen jedoch aus den 2010er Jahren; zur aktuellen Selfie-Praxis gibt es noch keine umfangreichen Untersuchungen, aber gewisse Entwicklungen lassen sich skizzieren.
3. Selfies: Visuelle Praxis im Wandel

Das Selbst steht auch heute noch im Fokus, aber wir scheinen kollektiv die Linse ausgetauscht zu haben – buchstäblich, wie wir noch sehen werden, und figurativ gesprochen. Das Selbst, das uns in modernen Selfiepraktiken wie dem Spiegelselfie präsentiert wird, wirkt abgewandter, distanzierter, vielleicht sogar kühler als die Selfies aus den frühen 2010er Jahren. Uns erscheint es so, weil hier mit Mitteln der visuellen Semiotik gearbeitet wird. Nach Vorstellungen der visuellen Semiotik kommunizieren die Fotos unter anderem auf drei Weisen mit uns, welche Haltung wir dem Subjekt gegenüber einzunehmen sollen: durch Distanz, Versuch (oder Ausbleiben) der Kontaktaufnahme, und Perspektive (vgl. van Leeuwen & Jewitt 2004).
Die Distanz des Subjekts zum Betrachter ist durch die Distanz des Subjekts zur Kameralinse tatsächlich größer: es befindet sich sowohl ein Spiegel als auch ein Smartphone zwischen uns. Die wahrgenommene Nähe in früheren Selfies suggerierte eine Art Berührbarkeit des Subjekts, die jetzt deutlich weniger häufig zu beobachten ist. Carey Jewitt und Theo van Leeuwen schreiben in „Visual Meaning – a Social Semiotic Approach“ (2004): „To see people close up is to see them in the way we would normally only see people with whom we are more or less acquainted. […] We are so close to them we could almost touch them. They reveal their individuality and their personality“ (S. 17). Besteht möglicherweise das Bedürfnis nach weniger Berührbarkeit heutzutage? (Alexa, spiel U Can’t Touch This von MC Hammer.)
Die Distanz erscheint noch größer durch das Ausbleiben des virtuellen Blickkontakts zwischen Subjekt und Betrachter*in. Während die Bildkomposition von frühen Selfies Blickkontakt suggeriert, wird die Sichtachse heute oft so konstruiert, dass die Person sich selbst betrachtet – entweder im Spiegel oder im Smartphone. Die Betrachtenden werden so auf eine entfernte, voyeuristische Position befördert. Es scheint, als beobachte man die Praktik des Selfiepostens nur noch von den Außenrändern, anstatt Teil des Akts zu sein. In der aktuellen Praxis des Weitwinkelselfies wird dieser visuelle Effekt auf die Spitze getrieben.


Das Machen von Weitwinkelselfies ist im Trend, seitdem Smartphones mit dieser speziellen Linsenfunktion vor einigen Jahren auf dem Markt gekommen sind – eine neue Form der Affordanz. Interessanterweise scheint es zwei fast gegensätzliche Bewegungen in dem Nutzen dieser Linsenfunktion zu geben: bei einer wird die Distanz noch weiter vergrößert – man wird buchstäblich auf einer Armlänge Abstand gehalten –, und bei der anderen wird man ganz nah rangeholt, sodass unvorteilhafte Falten und Poren sichtbar werden.
Was jedoch beide Weitwinkel-Trends gemeinsam haben ist das Element der Verzerrung. Ob Subjekt nah oder fern, die Verzerrung hat immer humoristischen Charakter, und es entsteht dadurch eine fast satirische Unnahbarkeit: man nimmt sich selbst so wenig ernst, dass man unangreifbar wird. Das kommt dem Hashtag #uglyselfie in seiner Schutzfunktion sehr nahe, und ähnelt ebenfalls dem analogen Grimasseziehen, statt mit nettem Lächeln zu posieren. Und auch der kommunikative Effekt ist ähnlich wie bei der sprachlichen Markierung als #ugly: die Ästhetik von Weitwinkelselfies signalisieren eine klare low-effort-Haltung. Wer sich (zumindest vermeintlich) wenig Mühe gibt, der ist eher geschützt von den Effekten der Selbst- und Fremdscham und Cringe-Momenten. Vermutlich rührt hierher auch der Trend der casual photo dumps, in die viele Selfies eingebettet sind: das Posten einer Menge an höchst (scheinbar) ungestellten, ungefilterten Fotos, die thematisch kaum bis gar nicht miteinander in Verbindung stehen. Als wären sie fast von selbst ohne eigenes Zutun aus der Smartphone-Galerie in unseren Feed gestolpert.
4. Das Geschlecht von Selfies
Die bis hier diskutierten Beispiele dokumentieren es: das Machen und Posten von Selfies ist eingewoben in gegenderte Muster der digitalen Selbstrepräsentation. Dabei ist visuelle Selbstdarstellung per se nicht gegendert, im Gegenteil, und es gibt zahlreiche digitale Praktiken, bei denen stereotyp maskuline Formen der Selbstdarstellung dominieren (etwa in Streamingformaten, Podcasts und ähnlichem). Da es sich bei Selfies jedoch um eine visuelle Kommunikationsform handelt, die sehr stark mit gesellschaftlich normierten Erwartungen an Schönheit und Körperbild operiert, neigt Selfie-Praxis dazu, gewisse Geschlechtslogiken zu reproduzieren und auch zu stereotypisieren. Die Affordanzen von Geräten und Plattformen haben dies durch die Bereitstellung von digitalen Filtern befördert, die etwa die Haut glätten und die Silhouetten verschlanken – eine Praxis, die in den 2010er Jahren als beautification oder auch yassification in den Sprachgebrauch Einzug hielt. Zeitgleich entwickelte sich in digitalen Kontexten eine Schönheits-Kultur der Micro-Celebrities und Influencer*innen; ihre Genres, etwa Schminktutorials oder Get Ready With Me-Routinen, haben mit Sicherheit den Blick weiter auf stereotypisierte und oft hyperfeminine Schönheit verengt; auch vermeintlich gegenläufige Trends im Kontext von Body Positivity fügen sich in solche Positionierungen von normativer Schönheit. Gut gemeinte und sicherlich in Teilen hilfreiche Posts der Kategorie ‚Instagram vs. Reality‘ (siehe Abb. 6) arbeiten immer noch häufig mit der Dichotomie ‚schön‘ vs. ‚nicht schön‘. Trotz der guten Absicht bleibt die durch Schönheitsideale geschaffene Hierarchie unangetastet.

Doch wie sieht es aus mit Selfies und Maskulinität – verstanden nicht nur als Selbstrepräsentation von Männern, sondern viel eher als Kommunikation einer „maskulinen” Haltung? In der Tat finden sich in jüngeren Selfies gewisse visuelle Semiotiken, die ganz anders sind als die stereotypen Reproduktionen femininer Schönheit: breitbeinige Körperhaltungen, die #manspreading evozieren; Körper, die Raum einnehmen; transgressive Gesten und Mimik (Abbildung 6).



Soziolinguistische Theorien haben diese Sprecher*innenhaltung der lockeren Maskulinität analysiert. So beschreibt Scott Kiesling in einer Studie von 2018 das, was er als „the linguistics of affect: on masculine ease“ bezeichnet: eine maskuline Haltung der Selbstgewissheit, Lockerheit und des „swagger“. Kiesling beschreibt in erster Linie sprachliche Formen dieser lockeren Maskulinität, doch liefert er damit auch einen wertvollen Ansatz für die visuelle Analyse von Maskulinität. Kiesling betont, dass dies nicht bedeutet, dass Männer schlichtweg unbekümmerter und lockerer sind als Frauen, sondern dass sich diese Praxis als prestigeträchtig für ein maskulines Erscheinen erwiesen hat, und somit (ein-) geübt und vorgetragen wird. Dies, so Kiesling, wird besonders in der (direkten, aber auch digitalen) Interaktion von Männern miteinander wirksam.
Auch die Soziolinguistin Teresa Pratt befasste sich 2023 in ihrer Studie „Affect in Sociolinguistic Style” mit jungen Männern, deren sprachliche und körperliche Haltung sie als “having chill” beobachtet und beschreibt. Pratt macht diese Haltung an parasprachlichen Markern fest, wie etwa einer bestimmten Stimmqualität oder einer betont lockeren Sitzposition (Abbildung 7). Diese Funde erweisen sich als hilfreich bei der Analyse von maskulinen Haltungen in Selfies.


Die Aufnahmen von jungen Männern in Pratts Arbeit sind keine Selfies, sondern Szenen aus ihren Videoaufnahmen. Und dennoch erinnert einiges an die Bildsprache von „maskulinen“ Selfies, etwa die Unbekümmertheit in der Präsentation der Körper.
Es ist vorstellbar, dass diese Low-Investment-Haltung einer unbekümmerten Maskulinität auch in Selfies eine so große Rolle spielt, da (wie Georgakopoulou und Page erkannt haben) das Posten von Selfies ein gewisses soziales Risiko birgt – möglicherweise ein noch größeres für maskuline Haltungen, wenn die Sphären des Selfiepostens eigentlich eher feminin kodiert sind. Das Peinlichkeits-Potential könnte demnach für maskuline Selbstdarstellungen höher sein, weshalb die Schutzfaktoren für die Postenden umso wichtiger werden könnten. Spannenderweise scheint die Notwendigkeit für ebendiese Schutzfaktoren wegzufallen, wenn das Selfie nicht nur das Selbst im Fokus hat, sondern eine weitere Ebene der Selbstdarstellung beinhaltet, wie beispielsweise beim Ausüben eines Hobbys – beim Fischen, beim Bergsteigen, im Kontext von Autos oder im Gym.


Das Darstellen des Hobbys scheint als Schutz vor Peinlichkeit oder Gesichtsverlust zu wirken: es erweckt den Anschein einer inhaltsvollen, uneitlen Selbstdarstellung im starken Vergleich zu den nach wie vor regulären Einzel-Selfies, bei denen ein Eitelkeitsvorwurf oft nicht weit ist.
Diese Beispiele deuten es an: der wissenschaftliche Blick auf Selfies, ihre visuelle Semiotik und kommunikative Praxis, hat noch viele bislang übersehene Details zu bieten, insbesondere was das Doing Gender angeht, das User*innen mit und durch Selfies betreiben. Die Performance von Maskulinität ist dabei nur ein Aspekt; wie die Bildsprache etwa von queeren und trans Selfies aussieht, ist bis jetzt noch ganz unerforscht, obwohl gerade für nichtbinäre Selbstrepräsentation der Aspekt der Sichtbarkeit so wichtig, aber auch ambivalent ist. Selfies sind, mit anderen Worten, alles andere als trivial.
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts Cringe: Ästhetik und diskursive Praxis der Schamlust. Mehr dazu unter https://uebercringe.de/.
References
Georgakopoulou, A. (2016). From narrating the self to posting self (ies): A small stories approach to selfies. Open Linguistics, 2(1), 300-317.
Kiesling, S. F. (2018). Masculine stances and the linguistics of affect: On masculine ease. Norma, 13(3-4), 191-212.
Page, R. (2019). Self-denigration and the mixed messages of ‘ugly’selfies in Instagram. Internet Pragmatics, 2(2), 173-205.
Van Leeuwen, T., & Jewitt, C. (2001). The Handbook of Visual Analysis. SAGE.
Veum, A., & Undrum, L. V. M. (2018). The selfie as a global discourse. Discourse & Society, 29(1), 86-103.
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
lesbenwelt2 (6. April 2025). Selfies als kommunikative Praxis: Selbstrepräsentation, Geschlecht und Cringe. Zwischen Unsichtbarkeit, Repression und lesbischer Emanzipation - Frauenliebende* Frauen im deutschen Südwesten 1945 bis 1980er Jahre. Abgerufen am 7. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/13owd
